Der Büchnerpreis für den als Traditionalisten gehandelten Martin Mosebach kam zumindest für mich sehr überraschend, der ob seiner stilistischen Brillanz hochgelobte Frankfurter Autor erschien mir doch zu sehr als Außenseiter des Literaturbetriebs. Nach Genanzino und Kronauer wieder eine sehr gute Wahl. Nun habe ich zwar schon viele Artikel und Essays von Martin Mosebach gelesen, aber noch keiner seiner zuweilen recht weitschweifigen Roman.
Sein neues Werk “Der Mond und das Mädchen” erscheint im August, gestern startete die FAZ mit dem Vorabdruck. Mosebach hat eine Art modernen “Sommernachtstraum” komponiert. Im brütend heißen Frankfurt sucht der frisch verheiratete Hans eine Wohnung für sich und seine Frau Ina. Beide sind neu in der Stadt, Hans tritt seine erste stelle als Banker an, erkundet die Straßen der Stadt bankeruntypisch mit dem Fahrrad, und landet schließlich in einer Wohnung im gar nicht angesehenen Frankfurter Bahnhofsviertel. Es geschehen merkwürdige Dinge, das verliebte Paar kommt sich fast abhanden, die banal-urbane Szenerie zwischen Autowaschanlage, Trinkhalle und staubigen Plätzen scheint sich magisch zu verwandeln. Schon zu Beginn heißt es: “In der Wärme des Sommerabends atmeten die starren Häuser und wurden zu großen Klangkörpern, wie von Musikinstrumenten, die leise hallen und dröhnen, wenn sie angestoßen werden oder wenn die Luft durch sie hindurchbläst.” Der Erzähler orchestriert die Stadt und lässt sie zugleich durchsichtig werden - auf diesen Roman darf man gespannt sein.