Getaggte Beiträge ‘Film’

Im Kino: “Der Sohn von Rambow”

Mittwoch, 20. August 2008

Der Kinostart des neuen “Batman”-Films mit dem sicherlich beeindruckenden Heath Ledger als fiesem Joker überstrahlt alles, aber im Schatten des Fledermaus-Mannes schleicht sich ab Donnerstag noch ein kleiner, feiner Film in unsere Kinos: “Der Sohn von Rambow” spielt in den 80er Jahren in England, eine Komödie über das Erwachsenwerden und die Leidenschaft fürs Filmemachen, die sich in diesem Fall ausgerechnet am ersten “Rambo”-Film mit Stallone entzündet. Zwei Jungs, beide Außenseiter, suchen ihren Weg aus den Zwängen des öden Alltags und stürzen sich in Dreharbeiten zu einer halsbrecherischen Hommage an den Dschungelkämpfer. Sehr gut gespielt, schöne Details von Mode bis Musik, ein toller “Coming-of-Age”-Film.

Im Kino: “Happy-Go-Lucky”

Donnerstag, 17. Juli 2008

Plappernd schneit sie in den Buchladen hinein, quatscht den mürrischen Verkäufer spontan an, macht Witzchen, wirbelt herum, und verlässt den Laden, während der arme Buchhändler stumm bliebt: das ist Poppy, dreißig Jahre alt, Grundschullehrerin, die sich mit ihrer Freundin Zoe seit 10 Jahren ein Apartment im Londoner Norden teilt. Poppy, großartig verkörpert von Sally Hawkins, ist ein Ausbund an guter Laune, und solche Leute können schnell zu Nervensägen werden. Aber Poppy ist auch eine kluge Frau, die weiß, worauf es im Leben ankommt. Vielleicht ist das Glas ja doch halbvoll. Und warum sollte man nicht in der anonymen Großstadt lieber mit einem Lächeln auf den Lippen den diversen Zumutungen entgegentreten?

In Mike Leighs schönem London-Film “Happy-Go-Lucky”, der ganz auf die grandiose Schauspielerin Sally Hawkins zugeschnitten ist, geht es um den Alltag und die Arbeit: Freitagsabends gehen die Mädchen einen trinken, in der Schule kümmert Poppy sich um verhaltensauffällige Schüler, abends macht sie einen Flamencokurs und samstags lernt sie Autofahren mit einem Fahrlehrer, der das genaue Gegenteil von ihr ist: ein mürrischer, verklemmter Paranoiker.

“Ich habe mich der Aufgabe verschrieben, außergewöhnliche Filme über das gewöhnliche Leben zu machen.», sagt Regisseur Mike Leigh (”Lügen und geheimnisse”, Vera Drake”), und zeigt uns eine Londonerin, die einfach nur ihr Leben meistert – mit ihren Mitteln.

Es finden sich sehr schöne, unspektakuläre Momente in diesem kurzweiligen Porträt einer nicht mehr ganz jungen Frau: Poppy steht am Fenster, schaut hinaus und bewundert den Himmel. Oder nach dem finalen Krach mit ihrem Fahrlehrer, wo sie ihr Grinsen verliert und ein ernster Zug um ihre Lippen spielt.

Im Kino: “Married Life”

Freitag, 11. Juli 2008

Sicherlich kein perfekter Film, die Kritiken waren eher durchwachsen, aber mir hat Ira Sachs’ stilvolle Krimigroteske “Married Life” ganz gut gefallen. Und das lag vor allem an den Schauspielern: der wunderbare Chris ´Cooper ist einfach zu selten in Hauptrollen zu sehen, hier spielt er den Geschäftsmannn Harry, der sich in eine sündhaft junge blonde Frau verliebt hat und jetzt seine Ehefrau loswerden will.

Das Ganze spielt in den USA Ende der 40er Jahre, und steckt voller Anspielungen auf den Film noir und die Melodramen der Zeit. Und Chris Cooper macht seine Sache gut, als verdruckster Ehebrecher, der als Mörder verdammt unbegabt ist. Herrlich auch die Independent-Ikone Patricia Clarkson als Ehefrau Pat, die still leidet, es aber faustdick hinter den Ohren hat.
Pierce Brosnan als grinsender Junggeselle macht seine Sache auch nicht schlecht, und Rachel McAdams, die blutjunge Witwe, ist einfach unwiderstehlich.

Vielleicht hat mir der Film ja auch so gut gefallen, weil ich im Italien-Urlaub gerade Richard Yates’ großen Roman “Zeiten des Aufruhrs”, Originaltitel “Revolutionary Road” gelesen habe, der in einem ähnlichen Milieu 1955 spielt.

Schneller leben mit dem Cyborg

Donnerstag, 15. Mai 2008

Beschleunigung ist angesagt in diesem Jahr, alle Frühlingsfeiertage sind Mitte Mai schon Schnee von gestern, und ich passe mich an: Heute morgen Wecker um 6.30 Uhr, kurz nach sieben aufgestanden, Frühstück, ab kurz vor acht Bügeln, dazu den schönen südkoreanischen Psychiatriefilm «I’m a Cyborg, but that’s OK auf DVD, dazwischen geduscht, eine Maschine Wäsche gemacht, um 10 Uhr zum ersten Mal das Haus verlassen, Altpapier zur Tonne gebracht, im Reisenbüro einen Mietwagen für den Toskana-Urlaub gebucht, danach zum Wochenmarkt am Turmweg Spargel kaufen, zurück nach Eppendorf, beim Türken Petersilie und Rauke geholt, Schrippen beim Bäcker, zurück nach Hause, zweites Frühstück, dann zur Arbeit, um 11.20 Uhr im Büro eingetroffen. Puh, den Pressetermin um 11 Uhr zur Rothko-Austellung in der Kunsthalle souverän ignoriert.
17.18 Uhr´: So, und jetzt ist “I’m a Cyborg, but that’s OK” besprochen.

Eine Lola macht noch keine Sommer

Samstag, 26. April 2008

Doch, der Glamourfaktor stimmte, gestern bei der Verleihung der Deutschen Filmpreise. Moderatorin Barbara Schöneberger machte ihre Sache ganz gut, trotz grünem Kleid und nervigen Gesangseinlagen. Die Branche feierte sich wieder einmal selber, völlig in Ordnung, Fatih Akin ging als großer Sieger mit vier Lolas nach Hause. Die Preise gingen schon in Ordnung: Elmar Wepper und Nina Hoss sind würdige beste Hauptdarsteller, überragt nur von Alexander Kluge, der sichtlich bewegt den Preis für sein Lebenswerk entgegennahm. Aber die ganze Lobhudelei auf den deutschen Film machte vor allem eins schmerzlich bewusst: wie wenig spannende, große, kontroverse, meinetwegen auch grandios misslungene Filme in Deutschland fürs Kino entstehen, zumindest im letzten Jahr. Außer Akins “Auf der anderen Seite” und Petzolds “Yella” war da nicht viel. Dörries “Kirschblüten” sind nett gemeint, aber doch eher ein Wohlfühlfilm für ältere Semester. Es gibt überhaupt keinen Mittelbau, gut gemachte Genrefilme finden anscheinend nur noch im Fernsehen statt. Die Renaissance des deutschen Films ist ein bestens alimentiertes Gerücht.

Im Kino: “Actrices” von Valeria Bruni Tedeschi

Mittwoch, 16. April 2008

Ein Grund zur Freude: der neue Film von Valeria Bruni Tedeschi, “Actrices”, der immerhin 2007 in Cannes lief und dort auch einen Preis gewann, hat einen deutschen Verleih gefunden und wird bereits eifrig besprochen: als Aufmacher im heutigen Feuilleton von SZ und FAZ (”In den Kulissen des Ichs”) und auch groß bei Spiegel Online. Die Rezensenten sind zufrieden, loben fast einhellig Witz und Eleganz dieser Tragikomödie einer vierzigjährigen Bühnen-Schauspielerin, die in die Midlife-Crisis schliddert. Valeria Bruni Tedeschi inszeniert sich selbst als Hauptdarstellerin Marcelline.

Filme von Jacques Demy

Mittwoch, 9. April 2008

Er war einer der Außenseiter der Nouvelle Vague, Jacques Demy (1931-1990), der bei uns vor allem mit seinem Musical-Film “Die Regenschirme von Cherbourg” mit Catherine Deneuve bekannt wurde. Im Hamburger Metropolis läuft noch bis zum Wochenende eine kleine Retrospektive zu Jacques Demy, die dann auch noch in Berlin und Aachen zu sehen sein wird.

Gezeigt wird auch “Jacquot de Nantes”, Agnes Vardas bewegende Hommage an ihren Ehemann Jacques Demy.

Wenn Blicke töten könnten…

Samstag, 5. April 2008

Die große Schauspielerin Bette Davis wäre heute 100 Jahre alt geworden, gestern abend habe ich mir deshalb Robert Aldrichs makaberes Hollywood-Drama “Was geschah wirklich mit Baby Jane” (1962) auf DVD (erschienen in der SZ-Cinemathek 89) angesehen. Bette Davis spielt eine zunehmend dem Wahnsinn verfallene Alkoholikerin, die wehmütig auf ihre fernen Kindertage zurückblickt, als sie als “Baby Jane” ein gefeierter Kinderstar war. Jetzt lebt sie mit ihrer an den Rollstuhl gefesselten Schwester Blanche (Joan Crawford) zusammen, die vor ihrem Unfall ein Star war. Wer hatte schuld an dem Unfall?

Ein unglaublich intensiver Film, der ganz vom Wechselspiel zwischen Davis und Crawford lebt, die zeit Lebens Konkurrentinnen waren, und nur für Aldrichs Film einmal zusammen vor der Kamera standen. Die sadistisch-infantile Jane tyrannisiert die hilflose Blanche bis zum Äußersten, ein unglaubliche Tour de Force. Am Ende schleppt sie die entkräftete Schwester an den Strand von Santa Monica, Jane spielt wie ein kleines Mädchen im Sand, während ihre Schwester langsam stirbt. Ein bitterböser Film, der auch viel über das Schicksal von alternden Diven in der Traumfabrik Hollywood erzählt.

In Joseph L. Mankiewicz’ schönem Theaterfilm “Alles über Eva” (1950) (SZ-Cinemathek 15) kann man Bette Davis als gereiften Broadwaystar bewundern, an der Seite der jüngeren Anne Baxter, die mit allen Finessen kämpt. Die sehr junge Marilyn Monroe spielt eine kleine Rolle als Starlet.

Bette Davis war für sage und schreibe für elf Oscars nominiert, 1936 (für “Dangerous”) und 1939 (für “Jezebel”) gewann sie die Trophäe. 2001 und 2002 wurden die Oscarstatuen versteigert, Steven Spielberg ersteigerte sie und schenkte sie der Academy of Motion Picture Arts and Sciences.

Michael Althen hat Bette Davis in der FAZ porträtiert.

Die 1000 besten Filme - according to NYT

Sonntag, 30. März 2008

Und noch eine Liste. Die New York Times hat ihre 1000 besten Filme zusammengestellt, naturgemäß eher amerikalastig.

Der Trailer zu “Juno”

Dienstag, 4. März 2008

Für einen Oscar hat es gereicht bei “Juno”, der bezaubernden Teenagerkomödie, die am 20. März bei uns in den Kinos anläuft.
Um die Wartezeit zu verkürzen, hier schon mal der Trailer.

Im Kino: “I’m Not There” von Todd Haynes

Dienstag, 4. März 2008

Unbedingt zu empfehlen: Ein Dylan-Kaleidoskop, vielstimmig, überraschend, subversiv. Sechs Schauspieler bilden Facetten des großen Rätselmanns Bob Dylan ab: Christian Bale, Marcus Carl Franklin, Ben Whishaw, der im Januar verstorbene Heath Ledger, Richard Gere und schließlich Cate Blanchett. Und es funktioniert. Kein Kuddelmuddel, sondern ein großartig verschachteltes Biopic, das man einfach genießen kann, nicht zuletzt wegen des grandiosen Soundtracks.

“And the Oscar goes to…”

Montag, 25. Februar 2008

Ganz schlecht lag ich mit meinen Tipps nicht, immerhin sechs von neun richtigen ist doch ganz passabel. Andererseits könnte man sagen, die Oscar-Show war in diesem Jahr einfach viel zu vorhersehbar. Aber es gab aus meiner Sicht auch eine schöne Überraschung der Oscar für den besten Originalsong (”Falling Slowly”) ging an Glen Hansard & Markéta Irglová, die beiden Hauptdarsteller von “Once”. Cool war der Ire Hansard, der sich dem Frack-und Fliegenzwang bei der Zeremonie souverän entzog und in betont lässigen Klamotten seinen Goldjungen entgegennahm.

Im Kino: “Das Waisenhaus”

Mittwoch, 20. Februar 2008

Altes Horrorhaus

Ein spannender, subtiler Horrorfilm, der ohne die üblichen Splatter-Elemente auskommt. Und doch ist man schockiert von der gruseligen Geschichte, die der spanische Regiedebütant Juan Antonio Bayona in seinem ersten, von Guillermo Del Toro (”Pans Labyrinth”) produzierten Spielfilm “Das Waisenhaus” erzählt.
Es gibt die üblichen Versatzstücke – ein einsames Haus am Meer, knarrende Dielen, eine seltsame alte Dame, ein Medium. Aber Bayona, der seinen Hitchcock gut studiert hat, macht daraus ein eigenständiges Genrestück – ein Film über die Fremdheit und Distanz zwischen Eltern und Kindern. Gänsehaut mehr als garantiert.

Mein Oscar-Tipp

Mittwoch, 6. Februar 2008

Wer macht am 24. Februar das Rennen im Kodak Theatre in Hollywood? Es macht doch immer wieder Spaß, ein bisschen über diese Frage zu spekulieren.
Beim Besten Film sehe ich “No Country for Old Men” vorn, nicht weil ich so schlau bin, sondern weil dieses neue Werk der Coen-Brüder seit Monaten alle Preise abgeräumt hat, die es so zu holen gab. Die Coen-Brüder sind einfach mal dran, bislang haben sie erst einen Drehbuch-Oscar für “Fargo” (1996) vorzuweisen.

Deshalb wird es wohl bei der Besten Regie auch auf Noel und Ethan Coen zulaufen, der ernsthafteste Konkurrent in den beiden Königsdisziplinen dürfte wohl Paul Thomas Andersons Öl-Saga “There Will Be Blood” mit Daniel Day-Lewis sein.

Der bekommt bei mir den Oscar als bester Hauptdarsteller, eben weil der Film leer ausgegangen ist. Day-Lewis hat zwar schon einen Oscar (für “Mein linker Fuß”, 1989), aber George Clooney hat erst 2006 einen Oscar bekommen, allerdings “nur” als bester Nebendarsteller in “Syriana”. Johnny Depp wäre für mich eine Sensation, ebenso wie Tommy Lee Jones oder Viggo Mortensen.

Als Besten Nebendarsteller wünsche ich mir den großartigen Philip Seymour Hoffman (”Charlie Wilson’s War”), einer teuflisch guter Schauspieler , der schon etliche Filme mit prägnanten Auftritten veredelt und manchen großen Star alt hat aussehen lassen.

Bei den Frauen sehe ich Cate Blanchett (”Elizabeth”) vorn. Blanchett, die bereits 2004 einen Oscar für “Aviator” gewonnen hat, ist zugleich als beste Nebendarstellerin für Todd Hynes’ “I’m not there” nominiert, in dieser Kategorie tippe ich auf Tilda Swinton für ihren Part in “Michael Clayton”.

Bester Animationsfilm wird wohl Disneys Gourmet-Gaudi “Ratatouille”, obwohl ich natürlich “Persepolis” die Daumen drücke. Beim besten Originaldrehbuch dürfte die Academy an der famosen “Juno” nicht vorbeikommen, das beste adaptierte Drehbuch geht an “There Will Be Blood”.

Noch einmal zum Mitschreiben:

Bester Film: “No Country for Old Men”
Beste Regie: Coen-Brüder
Bester Hauptdarsteller: Daniel Day-Lewis
Beste Hauptdarstellerin: Cate Blanchett
Bester Nebendarsteller: Philip Seymour Hoffman
Beste Nebendarstellerin: Tilda Swinton
Bester Animationsfilm: “Ratatouille”
Bestes Originaldrehbuch: “Juno”
Bestes adaptiertes Drehbuch: “There Will Be Blood”

Joker hat ausgespielt

Dienstag, 29. Januar 2008

Letzte Woche war ich in “I Am Legend”, den ich nicht schlecht, aber doch viel zu konventionell und mainstreamig fand. Richtig traurig war das Vorprogramm, ein Trailer für den neuen Batmanfilm “The Dark Knight”, der bei uns im Sommer anläuft, mit dem soeben verstorbenen Heath Ledger als Joker, der Gotham City in Angst und Schrecken versetzt.

Ledger war ein großartiger Akteur, mit einer fantastischen Präsenz auf der Leinwand, in Todd Haynes’ funkelndem Dylan-Biopic “I’m not there”, das am 28. Februar bei uns anläuft, ist er auch dabei. Und dabei fällt mir schmerzhaft ein, dass ich “Brokeback Mountain” seinerzeit verpasst habe.