
In einem Hotel am Postdamer Platz kommt man sich vor wie ein Alien: das ganze urbane Ensemble ringsherum mit seinen am Wochenende entvölkerten Bürotürmen wirkt wie ein Raumschiff, das von einem anderen Stern in der leeren Mitte Berlins gelandet ist. Eine geschichtslose Enklave, sporadisch bewohnt von Touristen und Managern, sehr seelenlos. Andererseits ist es von dort nur einen Steinwurf entfernt bis zur Neuen Nationalgalerie und den «schönsten Franzosen», und die Schau ist schon beeindruckend.
Dem Rat von FAZ-Kritiker Niklas Maak folgend, habe ich am nächsten Tag auf den Weg nach Dahlem gemacht, um die wirklich erstaunlichen Ethnologischen Sammlungen zu bewundern. Die Sonderausstellung mit afrikanischer Kunst aus dem 19. Jahrhundert ist großartig und die Interpendenzen zur europäischen Moderne evident. Die kantige Linienführung eines Ernst Ludwig Kirchner lässt sich ohne die afrikanischen Vorbilder kaum erklären, auch Gauguins Exotismus ist nicht vom Himmel gefallen. Der Weg nach Dahlem lohnt allemal.
