Getaggte Beiträge ‘Berlin’

Eugène Atget in Berlin

Montag, 3. Dezember 2007

Am Wochenende war ich in Berlin, die Eugène Atget-Retrospektive lockte mich in den Martin-Gropius-Bau. Absolut sehenswert, die Pariser Fotos aus den Jahren um die Jahrhundertwende bis zur Mitte der 20er Jahre, als Atget von den Surrealisten entdeckt wurde. Eugène Atget ist der Chronist der Stadt, er fotografierte ganze Serien: Straßenszenen, Hinterhöfe, Geschäftsauslagen, Parks und Grünanlagen, Rummelplätze, dazu Porträts von Verkäufern, Straßenhändlern, Hausierern, Lumpensammlern, Clochards oder Prostituierten. Die ganze Welt des alten Paris hat dieses Fotograf dokumentiert.

Meine Lieblingsbilder sind die Aufnahmen der Schaufenster. Hinter dem Glas kann man einzelne Gesichter entdecken, stumme Gesichte wie in einem Traum, während sich der Himmel oder die Häuser und manchmal auch das mit einer schwarzen Decke verhüllte Stativ in den Schaufenstern spiegeln und überlagern. Ganz große Kunst.

“Around The World in 14 Films”

Freitag, 30. November 2007

Szene aus "La graine et le mulet"

Morgen geht es zum Wochenendausflug nach Berlin, bereits heute wird dort im Babylon Kino die Filmreihe «Around The World in 14 Films» eröffnet, die bis zum 8. Dezember läuft und Independent-Filme aus aller Welt zeigt. Das Programm sieht sehr interessant aus, zudem werden bekannte deutsche Regisseure wie Volker Schlöndorff, Andreas Dresen, Oskar Roehler und Maria Schrader die Filme als Paten präsentieren, Regisseur Christoph Hochhäusler (”Milchwald”) stellt z.B. Abdellatif Kechiches Film “La graine et le mulet” vor, laut Programm “die Sensation der diesjährigen Filmfestspiele in Venedig”. Oder es läuft Anton Corbijns hochgelobtes Biopic “Control”, die Lebensgeschichte des früh gestorbenen Joy Division-Sängers Ian Curtis. Also ab ins Babylon.

Unterwegs in Berlin

Donnerstag, 14. Juni 2007

Frühmorgens in Sony Town

In einem Hotel am Postdamer Platz kommt man sich vor wie ein Alien: das ganze urbane Ensemble ringsherum mit seinen am Wochenende entvölkerten Bürotürmen wirkt wie ein Raumschiff, das von einem anderen Stern in der leeren Mitte Berlins gelandet ist. Eine geschichtslose Enklave, sporadisch bewohnt von Touristen und Managern, sehr seelenlos. Andererseits ist es von dort nur einen Steinwurf entfernt bis zur Neuen Nationalgalerie und den «schönsten Franzosen», und die Schau ist schon beeindruckend.

Dem Rat von FAZ-Kritiker Niklas Maak folgend, habe ich am nächsten Tag auf den Weg nach Dahlem gemacht, um die wirklich erstaunlichen Ethnologischen Sammlungen zu bewundern. Die Sonderausstellung mit afrikanischer Kunst aus dem 19. Jahrhundert ist großartig und die Interpendenzen zur europäischen Moderne evident. Die kantige Linienführung eines Ernst Ludwig Kirchner lässt sich ohne die afrikanischen Vorbilder kaum erklären, auch Gauguins Exotismus ist nicht vom Himmel gefallen. Der Weg nach Dahlem lohnt allemal.

Die Graswurzel-Revolution

Vorfreude auf die schönsten Franzosen

Mittwoch, 6. Juni 2007

franz.jpg

Und wieder eine Blockbuster-Ausstellung in Berlin, die “Schönsten Franzosen” aus dem Moma in New York präsentieren sich in der Neuen Nationalgalerie. Nun mag man ja solch durchkalkulierte Erfolgs-Veranstaltungen durchaus dubios und das ganze Unternehmen in seiner geschäftstüchtigen Gigantomanie und schwer erträglichen Prahlsucht (”schönste”) durchaus effekthascherisch und banausisch finden - andererseits bietet die Ausstellung halt die Chance, eine riesige Anzahl wunderbarer Gemälde zu sehen. Und so habe ich mit meine Karte schon gesichert, für Samstag, Punkt 10 Uhr. Ich hoffe, die Schlange wartet ohne mich.