Getaggte Beiträge ‘Beckett’

Colm Toíbín und das Glück der Iren

Mittwoch, 16. Mai 2007

Durch einen wunderbar weitschweifigen, sehr gelehrten Essay im “London Review of Books” bin ich im April in London auf den irischen Autor Colm Toíbín aufmerksam geworden.Das Zwielicht der Kunst
In “Drinking with Samuel Beckett” porträtiert Toíbín, ausgehend von den Straßen Dublins, die beiden irischen Schauspieler Jack MacGowran und Patrick Magee, die in etlichen der späten Stücke und Filme von Beckett zu sehen sind. Ein wunderbares Stück Prosa, voller persönlicher Erinnerungen und mit großer Zuneigung zur Schauspielkunst und dem Werk Becketts geschrieben.
In Moment lese ich Toíbíns jüngsten, 2004 zuerst erschienenen Roman “The Master”, eine behutsame Annäherung an den großen amerikanischen Romancier Henry James (1843-1916). “A marvel of lightly worn reserach und modulated tone”, so lobte John Updike das Buch.

Toíbín hat keine Biografie im herkömmlichen Sinn verfasst, er konzentriert sich vielmehr auf die für James, der fast sein ganzen Leben in England verbracht hat, eher krisenhaften Jahre zwischen 1895 und 1899. Ein eher diskontinuierlicher, gedankenreicher Künstlerroman, mit allen Implikationen des Fin de siècle. Dabei scheint Henry James immer ein Außenseiter zu bleiben, ein Exilierter, der seinem eigenen Leben fasziniert zuschaut. Aber ich bin erst auf Seite 88. Stilistisch lehnt sich Toíbín eindeutig an den getragenen, elaborierten Duktus von Henry James an.