Beschleunigung ist angesagt in diesem Jahr, alle Frühlingsfeiertage sind Mitte Mai schon Schnee von gestern, und ich passe mich an: Heute morgen Wecker um 6.30 Uhr, kurz nach sieben aufgestanden, Frühstück, ab kurz vor acht Bügeln, dazu den schönen südkoreanischen Psychiatriefilm «I’m a Cyborg, but that’s OK auf DVD, dazwischen geduscht, eine Maschine Wäsche gemacht, um 10 Uhr zum ersten Mal das Haus verlassen, Altpapier zur Tonne gebracht, im Reisenbüro einen Mietwagen für den Toskana-Urlaub gebucht, danach zum Wochenmarkt am Turmweg Spargel kaufen, zurück nach Eppendorf, beim Türken Petersilie und Rauke geholt, Schrippen beim Bäcker, zurück nach Hause, zweites Frühstück, dann zur Arbeit, um 11.20 Uhr im Büro eingetroffen. Puh, den Pressetermin um 11 Uhr zur Rothko-Austellung in der Kunsthalle souverän ignoriert.
17.18 Uhr´: So, und jetzt ist “I’m a Cyborg, but that’s OK” besprochen.
Getaggte Beiträge ‘Auf DVD’
Schneller leben mit dem Cyborg
Donnerstag, 15. Mai 2008Wenn Blicke töten könnten…
Samstag, 5. April 2008Die große Schauspielerin Bette Davis wäre heute 100 Jahre alt geworden, gestern abend habe ich mir deshalb Robert Aldrichs makaberes Hollywood-Drama “Was geschah wirklich mit Baby Jane” (1962) auf DVD (erschienen in der SZ-Cinemathek 89) angesehen. Bette Davis spielt eine zunehmend dem Wahnsinn verfallene Alkoholikerin, die wehmütig auf ihre fernen Kindertage zurückblickt, als sie als “Baby Jane” ein gefeierter Kinderstar war. Jetzt lebt sie mit ihrer an den Rollstuhl gefesselten Schwester Blanche (Joan Crawford) zusammen, die vor ihrem Unfall ein Star war. Wer hatte schuld an dem Unfall?
Ein unglaublich intensiver Film, der ganz vom Wechselspiel zwischen Davis und Crawford lebt, die zeit Lebens Konkurrentinnen waren, und nur für Aldrichs Film einmal zusammen vor der Kamera standen. Die sadistisch-infantile Jane tyrannisiert die hilflose Blanche bis zum Äußersten, ein unglaubliche Tour de Force. Am Ende schleppt sie die entkräftete Schwester an den Strand von Santa Monica, Jane spielt wie ein kleines Mädchen im Sand, während ihre Schwester langsam stirbt. Ein bitterböser Film, der auch viel über das Schicksal von alternden Diven in der Traumfabrik Hollywood erzählt.
In Joseph L. Mankiewicz’ schönem Theaterfilm “Alles über Eva” (1950) (SZ-Cinemathek 15) kann man Bette Davis als gereiften Broadwaystar bewundern, an der Seite der jüngeren Anne Baxter, die mit allen Finessen kämpt. Die sehr junge Marilyn Monroe spielt eine kleine Rolle als Starlet.
Bette Davis war für sage und schreibe für elf Oscars nominiert, 1936 (für “Dangerous”) und 1939 (für “Jezebel”) gewann sie die Trophäe. 2001 und 2002 wurden die Oscarstatuen versteigert, Steven Spielberg ersteigerte sie und schenkte sie der Academy of Motion Picture Arts and Sciences.
Michael Althen hat Bette Davis in der FAZ porträtiert.
Auf DVD: Chungking Express von Wong Kar-Wei
Dienstag, 15. Januar 2008
Zur Vorbereitung auf „My Blueberry Nights“ habe ich mir noch einmal „Chungking Express“ angesehen, gibt es als DVD in der schönen „Arthaus Collection“. Der Film ist immer noch grandios, einer der schönsten Großstadtfilme überhaupt.
Der traurige Polizist 223 (Takeshi Kaneshiro), der bald 25 Jahre alt wird, trifft eine geheimnisvolle Frau, (Brigitte Lin), die immer nur mit Sonnenbrille, Regenmantel und blonder Perücke unterwegs ist – wie in eine Gangsterfilm von Jean-Pierre Melville.
Die zweite Episode ist romantischer, versponnener. Da nistet sich Faye (Faye Wong), die in einem Schnellimbiss arbeitet, langsam im Leben von Polizist 663 (Tony Leung) ein. Sie stiehlt sich in sein Apartment, räumt auf, hübscht alles auf. Und hört die ganze Zeit „California Dreaming“ von „The Mamas & The Papas“. Verknüpft sind die beiden Episoden nur durch den Imbiss, den ein geschwätziger Typ betreibt.
Auf DVD: “This is England” von Shane Meadows
Montag, 17. Dezember 2007England 1983: Der 12jährige Shaun (Thomas Turgoose) trägt Hosen mit Schlag und wird deshalb von seinen Mitschülern gehänselt. Nur bei einer Gruppe von Skinheads, die alle älter sind als er, scheint der Außenseiter, dessen Vater im Falklandkrieg gefallen ist, so etwas wie Geborgenheit zu finden.
Aber auch das fragile Gleichgewicht innerhalb der Gruppe ist bedroht, am Ende steht Gewalt, die dennoch nicht das letzte Wort behält.
“This is England” von Shane Meadows ist ein starkes, anrührendes Milieudrama aus den trostlosen Vorstädten der Insel, auch wenn dem Film die analytische Stärke eines Ken Loach abgeht. Hier geht es mehr um Emotionen. Sehenswert ist vor allem die Leistung des Hauptdarstellers Thomas Turgoose, der zwischen Übermut und Melancholie alle Gefühlsregungen drauf hat.
“This is England” hat es bei uns nicht in die Kinos geschafft, Shane Meadows Schwarz-Weiß-Drama “24/7 – TwentyFourSeven” (1997) mit Bob Hoskins lief bei uns immerhin noch in einigen Programmkinos.
Warten auf die Simpsons
Dienstag, 3. Juli 2007Auch auf die Gefahr, mich zu wiederholen: Im Kino passiert in diesem Sommer herzlich wenig. Es sei den, man hält den tapfer mit bloßen Fäusten und jeder Menge analoger Stunts gegen eine digitale Verschwörung kämpfenden Hollywood-Oldie Bruce Willis in “Stirb langsam 4.0″ für ein Ereignis. Aber es laufen auch kaum gute kleine Filme.
Was bleibt, sind die DVDs für die verregneten Abende. Neulich habe ich Helmut Käutners wunderschönen Berlinfilm “Unter den Brücken” erstmals auf DVD gesehen, die Geschichte zweier Binnenschiffer, gedreht unter abenteuerlichen Bedingungen in den letzten Kriegsmonaten 1944. 
Carl Raddatz & Gustav Knuth spielen die Hauptrollen, zwischen ihnen das traurige Mädchen Anna (Hannelore Schroth). Wunderbar beiläufig und poetisch erzählt der Film von Freundschaft und Liebe: wenn Carl Raddatz der einsamen Anna von seinem Schiff erzählt, den Geräuschen der Taue und des Ruders, dann scheint es, als spreche er von einer Geliebten.
Ansonsten bleibt nur das Warten auf die Simpsons, der Film läuft am 26. Juli in den deutschen Kinos an. Andreas Busche hat der legendären amerikanischen Fernsehfamilie in epd-Film schon einmal einen interessanten Aufsatz gewidmet.
Auf DVD: Man muss mich nicht lieben
Montag, 7. Mai 2007
Im Kino läuft im Moment nicht viel Interessantes, also gibt es von Mr. Cinema ab sofort auch DVD-Tipps, und wir beginnen mit einem französischen Autorenfilm-Juwel: “Man muss mich nicht lieben” von Stéphane Brizé.
Er hat mit dem Leben eigentlich abgeschlossen. Jean-Claude (großartig: Patrick Chesnais) ist über 50, geschieden, lebt allein, und jede Falte im Gesicht des mürrischen Gerichtsvollziehers erzählt von einer Enttäuschung. Sein Sohn soll die triste Kanzlei des Vaters übernehmen, aber der Job ist einfach zu frustrierend. Bleibt noch Jean-Claudes Vater, ein bösartiger, verbitterter Tyrann, der im Altersheim seine Tage vertrödelt und schlechte Laune verbreitet.
Aber eines Tages kommt unverhofft Bewegung in Jean-Claudes stillgestellte Existenz. Das Fenster ist geöffnet, Tangoklänge wehen von der gegenüberliegenden Tanzschule herein. Der ungeliebte Gerichtsvollzieher lässt sich auf ein Abenteuer ein. Er nimmt Tanzstunden, trifft die bezaubernde Francoise (Anne Consigny) und spürt sehr bald, dass es niemals vorbei ist mit dem Leben und der Liebe.
Der französische Regisseur Stéphane Brizé hat eine wunderbar subtile, zarte Romanze in Szene gesetzt. In diesem sehr leisen Film kommt es auf die verstohlenen Blicke an, die schüchternen Gesten und versteckten Andeutungen. “Pointillistisch getupftes Kino der verstellten Gefühle, in dem Augenblicke des Schweigens mehr sagen als alle Worte”, so lobte die französische Zeitschrift “Télérama” treffend Brizés lakonische Studie einer Annäherung zweier verwandter Seelen.