Getaggte Beiträge ‘Alltag’

Kafka bei Karstadt

Dienstag, 5. August 2008

Im Kaufhaus gewesen. Geweint. Schon lange vor dem 125. Geburtstag des Prager Dichters am 3. Juli und auch jetzt noch kann man den Biografien, Hörbüchern, Werkausgaben und Interpretationsversuchen zu Franz Kafka kaum ausweichen. Kafkas Sätze begegnen uns aber nicht nur täglich im Feuilleton der FAZ, sondern ausgerechnet und völlig unerwartet bei Karstadt in der Mönckebergstraße in Großlettern neben der Rolltreppe. «Die Feinfühligen und Sehnsüchtigen halten den feinerer Stoff des Lebens in ihren Händen» kann man da im geistlos banalen Sommer-Schluss-Verkaufs-Gedränge lesen. Der Autor von «Das Schloss» und «Die Strafkolonie» als Vorlagengeber und Phrasendrescher für den Stoff, aus dem die Sonderangebote sind. Fast schon wieder genial, dieser Schrott.

Summer in the City

Sonntag, 27. Juli 2008

Seit ein paar Tagen ist es auch in Hamburg Sommer geworden, und am Freitagabend nach einem stickig heißen Tag im Büro haben wir das einzig richtige gemacht. Schwimmen gehen im Stadtparkbad. Dort scheint um neun Uhr noch die Sonne, weil die Lage des rieisgen Badesees am Ende des langgestreckten Hamburger Stadtparks ideal ist.

Geschwommen wird im Alsterwasser, also gibt es kein Chlor, nur etwas grünes Wassergras, das Becken ist ungefähr 150 Meter lang, man kommt sich also nicht in die Quere. Und grün ist ist dank der großen Kastanienbäume rundherum auch.

Stadtbadsee am Abend
Die Einsamkeit des Bademeisters

In Italien

Donnerstag, 19. Juni 2008

Ein paar Tage brauche ich schon, um nach dem Urlaub wirklich zurück
zu sein im Alltag, zwei intensive Wochen Toskana hinterlassen einfach ihre Spuren, zum Glück. Es war Frühling in und um Siena herum, unglaublich viele Blumen auf den Feldern, richtige Klatschmohnorgien, rote Farbteppiche, wie ich sie noch nie gesehen habe.

Siena ist auch bei bewölktem Himmel schön, der Campo, die engen Gassen, das Café del Corso. Über allem thront der Dom mit seiner unglaublichen Zuckerbäckerfassade. Dann haben wir uns auf die Spuren des Renaissance-Künstlers Piero della Francesca (1420-1492) gemacht, nach Arezzo, der Freskenzyklus in der Basilica di San Francesco ist ein Muss, mit dem Traum des Konstantin im mystisch erleuchteten Zelt, dann die Magdalena in Duomo, mit ihrem geheimnisvollen leuchtenden Kristall in der Hand.
Weiter ging es nach Monterchi, wo sich das Fresko der Madonna del Parto befindet, und nach Sansepolcro, der Geburtsstadt des Künstlers, wo man im Museo civico unter anderem das monumentale Auferstehungs-Fresko bewundern kann. Eine wunderbare Kunst-Tour für einen Tag.

Die meiste Zeit allerdings waren wir in der nähereren Umgebung unterwegs, der sogenannten Montagnola südwestlich von Siena. Zu verwunschenen Dörfern wie Scorgano oder Strove, die kleinen verkehrsarmen Straßen sind sehr gut zum Mountain-Biken. Und gewandert sind wir auch, auf den mächtig bewaldeten Colle Chiupi, bei strömenden Regen.

Stilleben mit Cappuccino

In den Süden

Samstag, 31. Mai 2008

Heute geht es für zwei Wochen nach Italien, die Aufnahme entstand letztes Jahr am spektakulären Monte Argentario, einer Halbinsel in der Südtoskana.

Wie Samuel Pepys die Welt sah

Freitag, 23. Mai 2008

Er schwört, nicht mehr ins Theater zu gehen. Oder zuviel zu trinken. Jeden Tag ist er unterwegs in der Stadt, arbeitet im “Naval Office”, trifft sich mit einflussreichen Leuten, pflegt seine Verbindungen. Er ist verheiratet, keine Kinder, aber Dienstmägde und Boten. Ein bürgerlicher Aufsteiger. Einem Seitensprung geht er nicht aus dem Weg. Samuel Pepys, ein Londoner durch und durch, geboren 1633 an der Themse, gestorben 1703.

Pepys ist der berühmteste Tagebuchschreiber des 17. Jahrhunderts, von 1660-1669 führte er sein “Diary”, ausführllichste Alltäglichkeiten, dazwischen Weltbewegendes, Kriege, die Pest in London 1665 (”the plague”), ein Jahr später das große Feuer.
Auf neun CDs liegt Pepys’ Diary als englisches Hörbuch vor, gelesen von Schauspieler Kenneth Branagh, sehr lakonisch, ohne zu große Emphase. Sehr zu empfehlen.

Schneller leben mit dem Cyborg

Donnerstag, 15. Mai 2008

Beschleunigung ist angesagt in diesem Jahr, alle Frühlingsfeiertage sind Mitte Mai schon Schnee von gestern, und ich passe mich an: Heute morgen Wecker um 6.30 Uhr, kurz nach sieben aufgestanden, Frühstück, ab kurz vor acht Bügeln, dazu den schönen südkoreanischen Psychiatriefilm «I’m a Cyborg, but that’s OK auf DVD, dazwischen geduscht, eine Maschine Wäsche gemacht, um 10 Uhr zum ersten Mal das Haus verlassen, Altpapier zur Tonne gebracht, im Reisenbüro einen Mietwagen für den Toskana-Urlaub gebucht, danach zum Wochenmarkt am Turmweg Spargel kaufen, zurück nach Eppendorf, beim Türken Petersilie und Rauke geholt, Schrippen beim Bäcker, zurück nach Hause, zweites Frühstück, dann zur Arbeit, um 11.20 Uhr im Büro eingetroffen. Puh, den Pressetermin um 11 Uhr zur Rothko-Austellung in der Kunsthalle souverän ignoriert.
17.18 Uhr´: So, und jetzt ist “I’m a Cyborg, but that’s OK” besprochen.

Pfingsten auf dem Fahrrad

Montag, 12. Mai 2008

Mit tun die Beine immer noch weh, am Samstag ging es auf Pfingst-Radtour, morgens früh um halb neun war ich an den Landungsbrücken, die Kirmesbuden alle noch geschlossen, der Hafen wartete auf den großen Ansturm zum Geburtstag. Also rüber nach Finkenwerder, über Cranz und Borstel immer an der Elbe entlang zwischen blühenden Apfelbäumen bis nach Stade, wo ich etwas umhergeirrt bin; dann weiter über Bützfleth zur schönen Elbinsel Krautsand, mit wunderbar weißem Sandstrand, Campingplatz, Imbissbuden, das Sylt des kleinen Mannes. Aber ich wollte weiter, Richtung Oste ins Kehdinger Land hinen, weite Horizonte, Moorlandschaft, wenig Verkehr. An der Schwebefähre in Osten Mittagspause, dann weiter am rechten Ufer Richtung Oberndorf, das idyllisch mit Kirche am Ostefluss liegt. Ich dann weiter nach Süderdeich, dann über Freiburg zurück zur Elbe, mit letzter Kraft die Fähre in Wischhafen erreicht, rüber über den mächtig breiten Strom nach Glückstadt, mit dem Zug zurück nach Hamburg. Uff.

Am Hafen in Freiburg

Im Laufe des Sonntags

Sonntag, 27. April 2008

Einmal im Jahr gehört die Tarpenbekstraße den Radfahrern und Fußgängern: heute war Marathon-Tag in Hamburg. Die Läufer schaffen es, den Anwohnern einen autofreien Sonntagmorgen zu verschaffen.

“Vergraemungsmassnahmen” gescheitert

Freitag, 18. April 2008

Dieses Wort ist in dieser Form nur in der Schweiz möglich, gelesen habe ich es im Zusammenhang mit der Erschießung des Bruders von “Problembär” Bruno. Das Tier hieß JJ3, und alle “Vergraemungsmassnahmen” waren in seinem Fall vergeblich. Vielleicht spricht ja aus dem Wort-Ungetüm doch noch so etwas wie Scham darüber, eine letztlich wehrlose Kreatur zu töten, die nichts anderes tut als ihrem natürlichen Instinkt zu folgen.

Cocktail mit Aussicht

Donnerstag, 17. April 2008

Es gibt nichts Besseres als an einem nur spärlich bewölkten Aprilabend um sechs Uhr nach getaner Arbeit hoch oben in der Tower-Bar des Hotels Hafen Hamburg in einem bequemen Fauteuil zu sitzen, vor uns das Glitzern des zerstoßenen Eises im Caipirinha-Tumbler, schimmernd die grünen Limetten, mit dem atemberaubenden Blick auf endlos Richtung Harburger Berge sich fortsetzende Hafenanlagen, Brücken, Container, Schiffswerften, Musicaltheater, etc. - und wie klein und spielzeughaft putzig wirken von hier die eifrig sich durch die Wellen arbeitenden Fährschiffe auf der sich dem Sonnenuntergang entgegenstreckenden Elbe!

Schwanenrallye

Montag, 7. April 2008

Heute wurden die Alsterschwäne aus ihrem Winterquartier am Eppendorfer Mühlenteich in die Weiten der Außenalster entlassen. Gestern war ich im berühmtesten Stück des “Swan of Avon”, der unter bürgerlichem Namen William Shakespeare hieß.

Ostern an der Ostsee

Samstag, 5. April 2008

Der Osterurlaub an der Ostsee war sehr abwechslungsreich: wir hatten alles außer Regen. Und waren viel zu Fuß unterwegs, beim Sturm am Ostersamstag, strahlendem Sonnenschein an den Feiertagen, dazwischen gab es Hagelschauer und Schnee am Morgen.

Ein Platz in der ersten Reihe

Auf dem Weg nach Dahme

Empirische Schokohasen-Feldforschung

Mittwoch, 19. März 2008

Wie groß darf oder besser gesagt muss ein optimaler Schokoladen-Osterhase sein?
Die Antwort auf diese brennend aktuelle Frage fiel mir beim abendlichen Einkaufsbummel im wunderschön aufgeräumten Edeka-Center Lokstedt quasi vor die Füße. Eklig große, monströse, fast bedrohlich blitzende Schokohasen gab es noch en masse, ebenso standen da jeden Menge putzig kleine, aber irgendwie lächerlich wirkende, sicherlich bösartige Zwerghasen mit roten Schleifen brav in Reih und Glied. Nur die goldenen Hasen in der richtigen Größe, in den einzig tolerablen, quasi gottgewollten Ausmaßen, waren fast ausverkauft. Die allerletzten beiden Exemplare dieser stark nachgefragten Spezies landeten flugs in meinem Einkaufskorb. Ich schwöre, ich hätte keine anderen gekauft. Und so sieht er aus, der Hase, den alle wollen.

So muss er sein

Februar ist wunderbar

Montag, 18. Februar 2008

Weil heute der Himmel schon wieder grau in grau wie die Wahlplakate der CDU herunterhängt, noch einmal Lichtblicke vom Wochenende an der Außenalster.

Blaue Stunde

Küss den Krokuss

In der Haseldorfer Marsch

Montag, 11. Februar 2008

Weite Horizonte überm Feuchtbiotop

Mir tun die Füße weh, gestern haben wir bei bestem Frühlingswetter eine Wanderung in der Haseldorfer Marsch gemacht, schlappe 15 Kilometer übern Deich. Beim kleiner Dorf Hetlingen ging es los, Richtung Elbe, vorbei am Wasserkraftwerk, dann an der Deichlinie und den riesigen Strommasten entlang über die Hetlinger Schanze bis zum Haseldorfer Sporthafen und dem lauschigen Café Mühlenwurth. Nach Kaffee & Kuchen ging es den gleichen Weg zurück. Faszinierende Landschaft.