“The Devil, You + Me”, das neue Album der Weilheimer Ausnahmeband The Notwist erscheint heute. Keine leichte Kost, beim ersten Hören war ich fast enttäuscht. Aber wenn man sich in die Platte hineinhört, öffen sich viele Türen: so intelligent kann Indie-Elektronic-Pop klingen. Aber mit solchen Kategorien kommt man hier eigentlich nicht weiter. Man muss sie hören, Stücke wie das traumhafte “Gloomy Planets”, dern Titelsong oder den Opener “Good Lies”. Man muss die Stimme von Markus Acher hören, beschwörend, eindringlich, skeptisch. Martin Gretschmann aka Console sorgt für computer-gestützte Synthie-Zauberklänge: “Let’s just imitate the world, until we find a better one”, heißt es in einem Song. Je länger ich den Sirenenklängen von “The Notwist” zuhöre, desto besser klingt für mich diese genial ausgereifte Platte.
The Notwist sind endlich wieder da
Freitag, 2. Mai 2008 by Mr. CinemaIm Laufe des Sonntags
Sonntag, 27. April 2008 by Mr. CinemaEinmal im Jahr gehört die Tarpenbekstraße den Radfahrern und Fußgängern: heute war Marathon-Tag in Hamburg. Die Läufer schaffen es, den Anwohnern einen autofreien Sonntagmorgen zu verschaffen.

Eine Lola macht noch keine Sommer
Samstag, 26. April 2008 by Mr. CinemaDoch, der Glamourfaktor stimmte, gestern bei der Verleihung der Deutschen Filmpreise. Moderatorin Barbara Schöneberger machte ihre Sache ganz gut, trotz grünem Kleid und nervigen Gesangseinlagen. Die Branche feierte sich wieder einmal selber, völlig in Ordnung, Fatih Akin ging als großer Sieger mit vier Lolas nach Hause. Die Preise gingen schon in Ordnung: Elmar Wepper und Nina Hoss sind würdige beste Hauptdarsteller, überragt nur von Alexander Kluge, der sichtlich bewegt den Preis für sein Lebenswerk entgegennahm. Aber die ganze Lobhudelei auf den deutschen Film machte vor allem eins schmerzlich bewusst: wie wenig spannende, große, kontroverse, meinetwegen auch grandios misslungene Filme in Deutschland fürs Kino entstehen, zumindest im letzten Jahr. Außer Akins “Auf der anderen Seite” und Petzolds “Yella” war da nicht viel. Dörries “Kirschblüten” sind nett gemeint, aber doch eher ein Wohlfühlfilm für ältere Semester. Es gibt überhaupt keinen Mittelbau, gut gemachte Genrefilme finden anscheinend nur noch im Fernsehen statt. Die Renaissance des deutschen Films ist ein bestens alimentiertes Gerücht.
Wenn Ophelia schwermütig wird
Mittwoch, 23. April 2008 by Mr. CinemaHeute ist Weltbuchtag, der 23. April, und erst einmal fragt der geneigte Leser: na und? Am 23. April 1616 starb Cervantes, und am 23. April 1564 wurde Shakespeare geboren, auch wenn das nicht ganz sicher ist. Okay, das leuchtet ein, zwei Klassiker, die über jeden Zweifel erhaben sind. Mein Problem ist nur, dass ich von Cervantes’ windmühlenbekämpfenden “Don Quijote” höchstens 100 Seiten gelesen habe, und dies auch schon vor sehr langer Zeit. Meine schöne dtv-Dünndruckausgabe stammt von 1979.
Bei Shakespeare sieht es etwas besser, vielleicht 10 Dramen habe ich ganz geschafft, was nicht viel ist für einen Anglisten. Sehr wenig sogar, wenn ich ehrlich bin. Selbst den “Hamlet” habe ich neulich wieder nur bis zur Hälfte geschafft, fast das ganze Personal lebte noch. Ophelia wurde schon etwas schwermütig, mehr nicht.
Aktuell liegen Martin Mosebachs Indien-Reportagen “Stadt der wilden Hunde” auf meinem Schriebtisch, auch schon seit zwei Wochen. Wieso komme ich nicht mehr zum Lesen? Weil Fernsehen, Internet und Kino einfach nicht so anstrengend sind. Gute Bücher gibt es ja wohl genug, immerhin habe ich Marcel Beyers neuen Roman “Kaltenburg” über Ostern verschlungen. Die Besprechung findet sich hier. Oder hier.
“The Evangelist”: Robert Forster ist zurück
Dienstag, 22. April 2008 by Mr. Cinema
Robert Forster hat ein neues Album veröffentlicht, zehn Songs, fast zwei Jahre nach dem Tod von Grant McLennnan, der im Mai 2006 völlig überraschend im Alter von 48 Jahren an Herzversagen starb. Die Go-Betweens waren von diesem Moment an Geschichte. Forster arbeitete als Musikkritiker, schrieb mit “A True Hipster” einen bewegenden Nachruf auf seinen Freund, und legt jetzt sein neues, denkwürdig großartiges Album vor.
Drei Songs sind noch zusammen mit Grant McLennan entstanden, “Demon Days”, Let your Light in, Babe” und It ain’t easy”, und so ist “The Evangelist” im Grunde noch einmal ein echtes Go-Betweens-Album geworden, die alten Mitstreiter Adele Pickvance und Glenn Thompson sind auch wieder dabei. Aber Forster macht natürlich nicht einfach weiter mit fröhlichem Gitarren-Pop. Ein langgezogener Synthie-Orgelton steht am Anfang vom “If it Rains”, wie ein Signal zum Innehalten. Dann folgt schon das traurige, fast prophetische “Demon Days”.
Die nächsten drei Songs stammen von Forster, schön vor allem das verträumte “The Evangelist”: Pop-Magie pur verströmt “Let your Light in Babe”, und mit dem gar nicht wehleidigen “It ain’t easy” verabschiedet sich Forster von seinem Freund: “And a river and a train and a dream ran through everything that he did (..) A sly grin, that played to win, we will not see his kind again”.
“Vergraemungsmassnahmen” gescheitert
Freitag, 18. April 2008 by Mr. CinemaDieses Wort ist in dieser Form nur in der Schweiz möglich, gelesen habe ich es im Zusammenhang mit der Erschießung des Bruders von “Problembär” Bruno. Das Tier hieß JJ3, und alle “Vergraemungsmassnahmen” waren in seinem Fall vergeblich. Vielleicht spricht ja aus dem Wort-Ungetüm doch noch so etwas wie Scham darüber, eine letztlich wehrlose Kreatur zu töten, die nichts anderes tut als ihrem natürlichen Instinkt zu folgen.
Cocktail mit Aussicht
Donnerstag, 17. April 2008 by Mr. CinemaEs gibt nichts Besseres als an einem nur spärlich bewölkten Aprilabend um sechs Uhr nach getaner Arbeit hoch oben in der Tower-Bar des Hotels Hafen Hamburg in einem bequemen Fauteuil zu sitzen, vor uns das Glitzern des zerstoßenen Eises im Caipirinha-Tumbler, schimmernd die grünen Limetten, mit dem atemberaubenden Blick auf endlos Richtung Harburger Berge sich fortsetzende Hafenanlagen, Brücken, Container, Schiffswerften, Musicaltheater, etc. - und wie klein und spielzeughaft putzig wirken von hier die eifrig sich durch die Wellen arbeitenden Fährschiffe auf der sich dem Sonnenuntergang entgegenstreckenden Elbe!
Im Kino: “Actrices” von Valeria Bruni Tedeschi
Mittwoch, 16. April 2008 by Mr. CinemaEin Grund zur Freude: der neue Film von Valeria Bruni Tedeschi, “Actrices”, der immerhin 2007 in Cannes lief und dort auch einen Preis gewann, hat einen deutschen Verleih gefunden und wird bereits eifrig besprochen: als Aufmacher im heutigen Feuilleton von SZ und FAZ (”In den Kulissen des Ichs”) und auch groß bei Spiegel Online. Die Rezensenten sind zufrieden, loben fast einhellig Witz und Eleganz dieser Tragikomödie einer vierzigjährigen Bühnen-Schauspielerin, die in die Midlife-Crisis schliddert. Valeria Bruni Tedeschi inszeniert sich selbst als Hauptdarstellerin Marcelline.

Filme von Jacques Demy
Mittwoch, 9. April 2008 by Mr. CinemaEr war einer der Außenseiter der Nouvelle Vague, Jacques Demy (1931-1990), der bei uns vor allem mit seinem Musical-Film “Die Regenschirme von Cherbourg” mit Catherine Deneuve bekannt wurde. Im Hamburger Metropolis läuft noch bis zum Wochenende eine kleine Retrospektive zu Jacques Demy, die dann auch noch in Berlin und Aachen zu sehen sein wird.
Gezeigt wird auch “Jacquot de Nantes”, Agnes Vardas bewegende Hommage an ihren Ehemann Jacques Demy.
Schwanenrallye
Montag, 7. April 2008 by Mr. Cinema“Hamlet” am Thalia Theater Hamburg
Montag, 7. April 2008 by Mr. CinemaDer Anfang ist Schweigen. Da sitzen die Protagonisten auf dem Holzpodest und starren wie Salzsäulen ins Leere. Nur die Königin Gertrud grinst still in sich hinein, kann kaum an sich halten. Da ist etwas mächtig faul in dieser Sippe. Dann geht es los, und wir erleben fast drei Stunden lang eine verknappte, aber werktreue Interpretation des Dänen-Dramas in der Regie von Michael Thalheimer. Ein spannnender, niemals langatmiger Abend, allerdings keine ganz große Entdeckung. Was auch schwierig ist bei diesem zu Tode gespielten Klassiker. Und so muss man Thalheimers kluge Adaption schon bewundern.
Wieder steht, wie so oft am Hamburger Thalia Theater, das hervorragende Ensemble im Fokus. Felix Knopp und Victoria Trauttmansdorff geben ein herrlich zerzaustes buhlerisch-schurkiges Herrscherpaar ab, zwei geile Hansel, mit denen man am Ende richtig Mitleid bekommt. Sehr human auch der Geist von Hamlets Vater, der nur mit Kriegshelm und Schwert bewaffnet aus dem Reich der Toten zurückkehrt. Der wunderbare Norman Hacker gibt einen abgedreht-zappelnden, marionettengleich wie an Schnüren hängenden Kanzler Polonius. Wenn dieser krumme Spitzel von Hamlets Hand eher aus Versehen stirbt, ist das ist echt traurig, die anrührendste Szene des Abends. Paula Dombrowski legt ihre Ophelia eher unspannend als Krawall-Girl an, Jan Dziobek lässt eindrucksvoll die Puppen tanzen.
Inmitten dieses Orkans Hans Löw als Hamlet: lethargisch, zurückgenommen, aber sehr präsent dabei, wieder ein großer Auftritt. Den “Sein oder Nichtsein”-Monolog brüllt er einmal vom Bühnenhintergrund ins Dunkel, dann spricht er die berühmten Worte noch einmal ganz leise. Aber eigentlich scheint er sprachlos zu sein angesichts der Tragödie, die ihn befallen hat wie ein unheilbares Fieber.
Wenn Blicke töten könnten…
Samstag, 5. April 2008 by Mr. CinemaDie große Schauspielerin Bette Davis wäre heute 100 Jahre alt geworden, gestern abend habe ich mir deshalb Robert Aldrichs makaberes Hollywood-Drama “Was geschah wirklich mit Baby Jane” (1962) auf DVD (erschienen in der SZ-Cinemathek 89) angesehen. Bette Davis spielt eine zunehmend dem Wahnsinn verfallene Alkoholikerin, die wehmütig auf ihre fernen Kindertage zurückblickt, als sie als “Baby Jane” ein gefeierter Kinderstar war. Jetzt lebt sie mit ihrer an den Rollstuhl gefesselten Schwester Blanche (Joan Crawford) zusammen, die vor ihrem Unfall ein Star war. Wer hatte schuld an dem Unfall?
Ein unglaublich intensiver Film, der ganz vom Wechselspiel zwischen Davis und Crawford lebt, die zeit Lebens Konkurrentinnen waren, und nur für Aldrichs Film einmal zusammen vor der Kamera standen. Die sadistisch-infantile Jane tyrannisiert die hilflose Blanche bis zum Äußersten, ein unglaubliche Tour de Force. Am Ende schleppt sie die entkräftete Schwester an den Strand von Santa Monica, Jane spielt wie ein kleines Mädchen im Sand, während ihre Schwester langsam stirbt. Ein bitterböser Film, der auch viel über das Schicksal von alternden Diven in der Traumfabrik Hollywood erzählt.
In Joseph L. Mankiewicz’ schönem Theaterfilm “Alles über Eva” (1950) (SZ-Cinemathek 15) kann man Bette Davis als gereiften Broadwaystar bewundern, an der Seite der jüngeren Anne Baxter, die mit allen Finessen kämpt. Die sehr junge Marilyn Monroe spielt eine kleine Rolle als Starlet.
Bette Davis war für sage und schreibe für elf Oscars nominiert, 1936 (für “Dangerous”) und 1939 (für “Jezebel”) gewann sie die Trophäe. 2001 und 2002 wurden die Oscarstatuen versteigert, Steven Spielberg ersteigerte sie und schenkte sie der Academy of Motion Picture Arts and Sciences.
Michael Althen hat Bette Davis in der FAZ porträtiert.
Ostern an der Ostsee
Samstag, 5. April 2008 by Mr. CinemaDie 1000 besten Filme - according to NYT
Sonntag, 30. März 2008 by Mr. CinemaUnd noch eine Liste. Die New York Times hat ihre 1000 besten Filme zusammengestellt, naturgemäß eher amerikalastig.
Empirische Schokohasen-Feldforschung
Mittwoch, 19. März 2008 by Mr. CinemaWie groß darf oder besser gesagt muss ein optimaler Schokoladen-Osterhase sein?
Die Antwort auf diese brennend aktuelle Frage fiel mir beim abendlichen Einkaufsbummel im wunderschön aufgeräumten Edeka-Center Lokstedt quasi vor die Füße. Eklig große, monströse, fast bedrohlich blitzende Schokohasen gab es noch en masse, ebenso standen da jeden Menge putzig kleine, aber irgendwie lächerlich wirkende, sicherlich bösartige Zwerghasen mit roten Schleifen brav in Reih und Glied. Nur die goldenen Hasen in der richtigen Größe, in den einzig tolerablen, quasi gottgewollten Ausmaßen, waren fast ausverkauft. Die allerletzten beiden Exemplare dieser stark nachgefragten Spezies landeten flugs in meinem Einkaufskorb. Ich schwöre, ich hätte keine anderen gekauft. Und so sieht er aus, der Hase, den alle wollen.








