Hawaii kann richtig scheußlich sein. In Alexander Paynes («About Schmidt», «Sideways» neuem Film scheint auf der Inselgruppe eigentlich nie die Sonne. Man spürt die Absicht, den Schauplatz bloß nicht als sorgenfreies Urlaubsparadies zu zeigen. Dazu passt das Geständnis von Matt King (George Clooney), er habe seit 15 Jahren nicht mehr auf einem Surfbrett gestanden. King ist Anwalt, gutsituiert, gebürtiger Hawaiianer, mit zwei Töchtern und einer Ehefrau. Aber Matt ist in seiner eigene Familie ein Fremder geworden, hat sich in seinem vor Akten überquellenden Büro eingeigelt und gar nicht bemerkt, dass seine Frau längst ihr eigenes Leben geführt hat – mit Liebhaber. Aber diese Ehefrau liegt nun nach einem Bootsunfall ohne Hoffnung auf Besserung im Koma, und Matt hat wieder einen richtigen Job: Vater.
Traurige Tropen, oder besser gesagt tragikomische. Auch in «The Descendants» gelingt es Alexander Payne, eine fast alltägliche Geschichte mit ganz normalen Menschen zu erzählen. Ob ein Star wie George Clooney dabei die perfekte Wahl ist, bleibt fraglich. Immerhin gibt Clooney alles, um den Schmerz, die Verblüffung und auch den Lebenswillen dieses übertölpelten Anwalts darzustellen. Dafür gab es bereits eine Oscar-Nominierung. So viele großartig hässliche Hawaiihemden und Shorts sah man selten auf der Leinwand. Das macht einfach Spaß, hier zuzusehen, auch weil der Film bis in die Nebenrollen toll besetzt ist.
Es gibt ein Wiedersehen mit Beau Bridges («Die fantastischen Baker Boys»), der als langhaariger, versoffener Insel-Hippie und Cousin des Protagonisten einen schönen Auftritt hat. Robert Forster («Jackie Brown) spielt den beinharten Schwiegervater, der seine unsagbare Trauer über den verlust der Tochter mit Handgreiflichkeiten nur mühsam überdecken kann. Und gerade auch die jugendlichen Darsteller sind sehr gut, glaubwürdig und authentisch.
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