Im Kino: “Habemus Papam” von Nanni Moretti

In Rom wird ein neuer Papst gewählt. Die Türen schließen sich, die Kardinäle sind unter sich. Nach etlichen Tagen und unzähligen Wahlgängen hat Kardinal Melville (Michel Piccoli) die Mehrheit der Stimmen des Konklaves. Habemus Papam, das Volk auf dem Petersplatz jubelt, aber der Neue schafft es einfach nicht, auf den Balkon zu treten. Melville will kein Papst sein, der Job ist einfach nichts für ihn, und so verschwindet er still und heimlich aus dem Vatikan.

Einen so mitfühlenden, sensiblen, grundsympathischen Film über die Gewissensnöte eines unglücklicherweise zum Papst gewählten Mannes hätte man von Nanni Moretti («Il Caimano», «Caro Diario») nicht unbedingt erwarten können. Der Italiener gilt als scharfer Gesellschaftskritiker und profilierter Berlusconi-Kritiker. Aber statt beißender Kritik am Katholizismus legt der Regisseur die leise, humorvolle Charakterstudie eines Mannes vor, der lieber nicht will. Der heißt Melville, genau wie der «Moby Dick»-Autor Herman Melville, der um 1850 die unsterbliche Geschichte von «Bartleby» schrieb, dem Büroangestellter, der es vorzog, nichts zu wollen oder zu tun.

Sein Geisterverwandter, wunderbar gespielt vom 85-jährigen Michel Piccoli, wäre gerne Schauspieler geworden, er liebt Tschechow, aber jetzt ist er Papst, läuft wie ein ertappter Gauner durch die Gassen von Rom und versucht mit Hilfe eines Psychoanalytikers, gespielt von Regisseur Moretti, mit seiner Berufung zurechtzukommen. Die Kardinäle langweilen sich derweil im Vatikan, und so organisiert der Seelendoktor im Hof ein Volleyballturnier. Nordeuropa gegen Ozeanien und so fort. Auf diese Idee muss mal erst mal kommen, hier ist Moretti wieder ganz bei sich. Obwohl, ein wenig bissiger hätte die melancholische Amtsverweigerungs-Geschichte schon ausfallen können. Trotzdem unbedingt sehenswert.

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