Eine Lola macht noch keine Sommer

Doch, der Glamourfaktor stimmte, gestern bei der Verleihung der Deutschen Filmpreise. Moderatorin Barbara Schöneberger machte ihre Sache ganz gut, trotz grünem Kleid und nervigen Gesangseinlagen. Die Branche feierte sich wieder einmal selber, völlig in Ordnung, Fatih Akin ging als großer Sieger mit vier Lolas nach Hause. Die Preise gingen schon in Ordnung: Elmar Wepper und Nina Hoss sind würdige beste Hauptdarsteller, überragt nur von Alexander Kluge, der sichtlich bewegt den Preis für sein Lebenswerk entgegennahm. Aber die ganze Lobhudelei auf den deutschen Film machte vor allem eins schmerzlich bewusst: wie wenig spannende, große, kontroverse, meinetwegen auch grandios misslungene Filme in Deutschland fürs Kino entstehen, zumindest im letzten Jahr. Außer Akins “Auf der anderen Seite” und Petzolds “Yella” war da nicht viel. Dörries “Kirschblüten” sind nett gemeint, aber doch eher ein Wohlfühlfilm für ältere Semester. Es gibt überhaupt keinen Mittelbau, gut gemachte Genrefilme finden anscheinend nur noch im Fernsehen statt. Die Renaissance des deutschen Films ist ein bestens alimentiertes Gerücht.

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