Im Kino: „Still Life“ von Jia Zhang-Ke

By Mr. Cinema

Am Fluss ohne Wiederkehr

Menschen auf einer Flussfähre, zusammengedrängt an Bord, es ist drückend heiß, die Kamera bewegt sich ruhig über die müden, fast apathischen Gesichter hinweg, der Himmel über dem Jangtse ist diesig, fast weiß, die Kamera erkundet alle Passagiere, bleibt schließlich bei einem Mann hängen. Der Bergmann San-ming Han ist nach Fengjie gekommen, um seine Frau zu suchen, die ihn vor 16 Jahren mit seinem Kind verlassen hat. Aber Fengjie ist eine Stadt, die dem Untergang geweiht ist, weil sie dem gigantischen Drei-Schluchten-Staudamm weichen muss. Die Altstadt ist schon in den trüben Fluten versunken.

San-ming Han findet einen Job als Abbrucharbeiter, mit Hämmern demolieren die Männer die Mauern der verlassenen Häuser, die Szenerie gleicht den Bildern deutscher Städte nach dem 2. Weltkrieg – eine Trümmerlandschaft. Zur gleichen Zeit kommt die Krankenschwester Shen-hong Guo in die Stadt. Auch sie sucht ihren Ehepartner. Zwei Jahre ist es her, seit sich Bin Guo das letzte Mal bei ihr gemeldet hat, nun will sie ihren Mann zur Rede stellen. Es kommt zur Aussprache, vor der riesigen, von Baukränen umstandenen Staumauer im Hintergrund. Die Ehe ist nicht zu retten.

Eine unglaubliche Trauer umgibt die Menschen in Jia Zhang-Kes großartigem Melodram „Still Life„. Vor der Hintergrund der Zerstörung aller Lebensgrundlagen durch das komplett größenwahnsinnige Staudammprojekt erzählt dieser atemberaubende Film in melancholischen Tableaus vom Zerbrechen der zwischenmenschlichen Beziehungen. Zurecht wurde „Still Life“ bei den Filmfestspielen in Venedig 2006 mit der Goldenen Palme ausgezeichnet.

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2 Antworten zu „Im Kino: „Still Life“ von Jia Zhang-Ke“

  1. Kino: Meine Favoriten 2007 « Traumfabrik sagt:

    [...] Still Life (Jia [...]

  2. Neues vom Glöckner » Blog Archiv » Still Life sagt:

    [...] Still Life (2006) ist Jia Zhang-Ke ein Stück weit zu seinen Anfängen zurückgekehrt: dieselben [...]

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