Bekannt geworden bei ns ist er mit seiner Marseille-Trilogie, den drei Krimis mit dem menschenfreundlichen Kommissar Fabio Montale, Jean Claude Izzo, geboren 1945 als Sohn einer spanischen Schmeiderin und eines italienischen Barmanns, viel zu früh gestorben im Jahr 2000, ist der Chronist seiner Heimatstadt.
Gerade habe ich Izzos Roman „Aldebaran“ gelesen, ein schönes, prall mit Leben und Poesie gefülltes Buch über gestrandete und entwurzelte Existenzen. Sie sitzen fest im Hafen von Marseille, in der hintersten Ecke, Abdul Aziz, der aus dem Libanon stammende Kapitän der „Aldebaran“, sein erster Offizier, der Grieche Diamantis, und der junge, ungestüme Funker Nedim, ein Türke.
Die drei sitzen auf ihrem Schiff fest, weil der Reeder sie im Stich gelassen hat, aber sie stecken auch in ihrem Leben fest. Mesiterhaft verknüpft Izzo die drei Schicksale, lässt die Protagonisten in Rückblenden immer wieder in ihre Vergangenheit zurücktauchen, und natürlich entwirft er auch wieder ein hinreißend subjektives, poetisches Bild von Marseille. Leitmotiv
von „Aldebaran“ ist aber das Mittelmeer, das uralte, seit Homer besungene Meer zwischen Orient und Okzident.
„An dieser Tafel fühlten sie sich zwar nicht wie zu Hause, aber wie eine Familie. Aus ein und demselben Land. Dem Mittelmeer. Sie vergaßen für eienn Moment, wer sie waren, warum sie hier waren, auf diesem Schiff, in einer Sommernacht in Marseille, durch dieses Zufall, der Exilanten, obgleich ständig kreuz und quer in Bewegung, schließlich an einem Ort zusammenführt, an dem Glück und Unglück ineinander fließen. Hier war das Ende der Welt. Auf der Aldebaran.“
Tolle Lektüre, und das Beste ist, Izzos letzten Roman „Die Sonne der Sterbenden“, habe ich noch vor mir.