100 Greatest Albums of the Decade

Dienstag, 17. November 2009 von Mr. Cinema

Es wird Zeit, das Jahrzehnt zu bilanzieren: Das britische nme magazine hat schon einmal die 100 besten Alben der letzten 10 Jahre gekürt, mit reviews und Videoclips.

Cinefest in Hamburg

Mittwoch, 11. November 2009 von Mr. Cinema

Am Wochenende startet in Hamburg das Cinefest, unter dem Titel „Schatten des Krieges – Innovation und Tradition im europäischen Kino 1940- 1950″ laufen im Metropolis am Hauptbahnhof etliche sehr interessante Filme. Am Sonntag geht es los mt Helmut Käutners „In jenen Tagen“ und „Razzia“, einem „gnadenlos spannenden DEFA-Krimi“ aus dem zerbombten Berlin 1946. „Liebe 1947″ und das bittersüße Melodram „Der verzauberte Tag“ aus der Nazizeit bilden Gegenpole.

Dagegen die französische Perspektive, in „La bataille du rail“ von René Clément agieren Widerstandskämpfer, die Kamera führte der später legendäre Henri Alekan. Jean-Pierre Melvilles Debütfilm „Le silence de la mer“ ist auch zu sehen.

Amerikanische Depressionen

Samstag, 7. November 2009 von Mr. Cinema

Jonathan Raban über die Fotografin Dorothea Lange, deren Fotos aus der amerikanischen Depression der 30er Jahre, darunter das berühmte „Migrant Mother“, wiederentdeckt werden – im Lichte der neuen Krise.

„A Serious Man“ von den Coen-Brüdern

Samstag, 7. November 2009 von Mr. Cinema

Der neue Film der Coen-Brüder ist einer ihrer besten seit langem, zuletzt fand ich das star-gespickte „Burn After Reading“ oder den tristen Western „No Country For Old Men“ doch sehr enttäuschend, weder komisch noch sonst irgendetwas.
„A Serious Man“ erzählt vom Scheitern in wunderbar komischer Art und Weise. Der Film spielt im jüdischen Milieu Ende der 60er Jahre in Minnesota, Protagonist ist der Physikprofessor Larry Gopnik (brillant Michael Stuhlbarg), dessen Gleichungen nur noch im Hörsaal aufgehen.
Ansonsten geht alles in Larrys Leben den Bach herunter: seine Ehe ist am Ende, seine Kinder rauchen Gras und hören Hippie-Musik, sein gestörter Bruder Arthur macht nur Ärger, und an der Uni werden Komplotte geschmiedet.
Soviel Unheil kann man in bester jüdsichen Tradition nur mit absurd-schwarzem Humor ertragen, und davon hat der Film sehr viel.
Da spricht der alte weise Rabbi endlich die Worte der Weisheit, und was sagt er: die Namen der Bandmitglieder von Jefferson Airplane, und so schleicht sich auch noch Jorma Kaukonen in den Film hinein, genialer Musiker übrigens.
„A Serious Man“ ist laut „New York Times“ stark autobiografisch geprägt, die Coens evozieren das jüdische Milieu von St. Louis Park, einem Vorort von Minnesota, in dem sie aufgewachsen sind.
„A Serious Man“ erinnert an Coen-Meisterwerke wie „Barton Fink“ oder „The Big Lebowski“, in allen Filmen stehn Männer auf verlorenem Posten, aber sie geben nicht auf, trotz aller Nackenschläge, die das Leben bereithält.
„A Serious Man“ läuft am 21. Januar in Deutschland an.

Lichtblicke

Donnerstag, 5. November 2009 von Mr. Cinema

Zehn Uhr morgens, gerade wird es draußen, nach gefühlten zehn Tagen Dauerregen und Düsternis, mal wieder etwas heller, eine Ahnung von Blau zeigt sich im grauen Himmel. Und sofort schweifen die Gedanken hinfort aus dem deutschen Opel-Jammertal in südlichere Gefilde, begleitet auf dem CD-Player von Alison Krauss, die neue Best-Of-Scheibe ist schon toll.
Dieser Weg braucht kein Ziel

Brauchen wir noch Regionalzeitungen?

Freitag, 30. Oktober 2009 von Mr. Cinema

Schöne Polemik zu den Münchener Medientagen beim JakBlog

Bald im Kino: „Looking for Eric“

Freitag, 30. Oktober 2009 von Mr. Cinema

Nächste Woche läuft „Looking for Eric“ an , der neue Film von Ken Loach, den man auf keinen Fall verpassen sollte, einfach deshalb, weil man keinen, nicht einen einzigen Film von Loach verpassen sollte, selbst die schwächeren ragen noch weit über dem Durchschnitt heraus.
„Looking for Eric“, ich freue mich drauf.

Im Kino: „Das weiße Band“ von Michael Haneke

Donnerstag, 29. Oktober 2009 von Mr. Cinema

Ein faszinierender, eiskalt-kunstvoller Film, der völlig zu Recht die Goldene Palme in Cannes gewonnen hat. Michael Haneke erzählt seine verstörende „deutsche Kindergeschichte“ in stilvollem Schwarz-Weiß, entführt uns meisterhaft in ein norddeutsches Dorf ein Jahr vor Ausbruch des 1. Weltkriegs. Rätselhafte Dinge ereignen sich hier, der Arzt erleidet einen schweren Reitunfall, weil sein Pferd über ein Seil stolpert, zwei Kinder werden Opfer schwerer Misshandlungen, eine Bauersfrau erleidet einen tödlichen Arbeitsunfall. Und eines Nachts brennt die Scheune des Gutsbesitzers, die Kinder des Pfarrers stehen am Fenster, wie Gespenster sehen sie aus in ihren weiß leuchtenden Nachthemden. Der ganze Film wirkt wie ein böser Spuk, der erst endet, als der Weltkrieg ausbricht und die alte wilheministische Ordnung weggefegt wird.

Haneke führt seine Schauspieler großatrtig: Burghart Klaußner ist ein bigott-brutaler Pfarrer, Ulrich Tukur ein gönnerhaft-engstirniger Baron, dessen Frau (Ursina Lardi) das Dorf so beschreibt: „Eine Umgebung, die dominiert ist von Böswilligkeit, Neid, Stumpfsinn und Brutalität.“
Susanne Lothar spielt eine in die Jahre gekommene Hebamme, Geliebte des Landarztes, der sie eiskalt fallenlässt. Birgit Minichmayr hat eine kleine Nebenrolle, Josef Bierbichler gibt einen seine Kinder prügelnden Gutsverwalter. Ein grandioses Horror-Kabinett.

Und die Kinder sind noch besser: in Großaufnahmen blicken wir in regungslose Gesichter, gefühllose Wesen begegen uns, denen jedes Mitgefühl längst ausgeprügelt wurde. das ist der eigentliche Horror in diesem Drama, dessen perfekte Machart bisweilen etwas penetrant in den Vordergrund tritt. Haneke hat eben in jeder Hinsicht einen sehr deutschen Film abgeliefert. Und damit gute Chancen auf den Auslands-Oscar im nächsten Jahr.
Interview mit dem Regisseur, Kritik von Daniel Kothenschulte in der FR.

Tante Emma und das Internet

Donnerstag, 29. Oktober 2009 von Mr. Cinema

Sehr interessanter Artikel von Thomas Knuever im Handelsblatt über den mündigen Konsumenten in Zeiten der social communities. Nur Werbung, die nicht wie Werbung aussieht, kommt noch an. Siehe das Vodafone-Debakel. Leider der letzte Artikel von Knuever, der sich als Webberater selbstständig macht.

(Spärlich) Im Kino: Wendy and Lucy

Dienstag, 27. Oktober 2009 von Mr. Cinema

Zum ersten Mal aufmerksam geworden auf Kelly Reichardts Film bin ich über den Essay „Metronatural America“ von Jonathan Raban im „New York Review of Books“. Der in Seattle lebende Autor beschreibt sehr kenntnisreich die spezifische Atmosphäre des amerikanischen Nordwestens – kalt, abweisend, eine ökonomisch schwache Gegend unter grauem Himmel, sehr weitläufig und dünn bevölkert, eine mitunter atembraubende Landschaft fernab hipper Metropolen, in der Menschen und Biografien leicht aus der Spur geraten können. Für Raban ist der Autor Jonathan Raymond, der in Portland, Oregon, lebt, eine Art literarischer Kronzeuge für die aktuellen sozialen Verwerfungen im „Pacific Northwest“.
Raymond veröffentlichte 2004 den Roman „The Half-Life“ und 2008 die Short-Story-Sammlung „Livability“, und eine der Geschichten aus dem Band hat die Regisseurin Kelly Reichardt nun zur Vorlage für ihren Film „Wendy and Lucy“ genommen.
Erzählt wir die Geschichte der arbeitslosen Wendy, die zusammen mit ihrem Hund auf dem Weg nach Alaska ist, um dort einen Job in einer Fischfabrik zu ergattern. Als ihr Auto den Geist aufgibt, stehen Wendy und Lucy auf der Straße, zwei Drop-Outs mit fast leeren Taschen, mit denen niemand Mitleid zu haben scheint. Jonathan Raban lobt in seiner Besprechung die Lakonie und Genauigkeit des Films, Hauptdarstellerin Michelle Williams („Brokeback Mountain“), die letzte Lebensgefährtin des verstorbenen Heath Ledger, gibt eine berührende Vorstellung ab.

Aber leider läuft dieser großartige Film nur mit ein paar Kopien in Deutschland, in Hamburg noch gar nicht. Eine Schande ist das.
Schöne Kritik von Daniel Kothenschulte in der FR.

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Im Kino: Whisky mit Wodka

Dienstag, 27. Oktober 2009 von Mr. Cinema

Jetzt habe ich es doch noch geschafft, in Andreas Dresens neuen Film zu gehen, gute Entscheidung. Wie schon bei „Sommer vorm Balkon“ stammt auch diesmal das Drehbuch von Wolfgang Kohlhaase, der eine Geschichte aus dem Filmmetier erzählt. Henry Hübchen gibt den gefeierten Mimen Otto Kullberg, der leider etwas zu oft zur Flasche greift. Bei Dreharbeiten an der Ostsee für ein Liebesdrama, das in den 20er Jahren spielt, kommt es zum Eklat: Der Produzent (Stefan Kurth) engagiert ein Double (Markus Hering) für Kullberg, der sich von Minute an keine Blöße mehr gibt.
Ein schönes Spiel über sein und Schein ist so entstanden, mit Corinna Harfouch als melancholie-umflorter zweiter Hauptdarstellerin, die mit dem Regissuer (Sylvester Groth) liiert ist, aber die große Leidenschaft nur im Film erlebt. Dresen zeigt das Filmteam als große Familie, in der es hoch hergeht, aber sein Blick bleibt immer milde-spöttisch, niemals wirklich bissig oder böse – der Mann ist kein Robert Altman.
Trotzdem ist „Whisky Mit Wodka“ ein schöner, bisweilen etwas betulicher Film über das Filmbusiness geworden. Wie in einer Wagenburg stehen die Wohnwagen des Teams am Ostsee-Strand, in diesem magischen Bezirk gelten einfach andere Regeln als in der profanen Realität.

Im “Film Club” mit David Gilmour

Mittwoch, 7. Oktober 2009 von Mr. Cinema

Gerne habe ich „The Film Club “ von David Gilmour gelesen, das auf deutsch als „Unser allerbestes Jahr“ vorliegt und meines Wissens ein ziemlicher Erfolg war. In seinem Heimatland Kanada konnte der Journalist, Filmkritiker und Autor Gilmour mit dieser ungewöhnlichen Vater-Sohn-Geschichte auf jeden Fall einen Bestseller landen.

Es klingt selbst wie ein Film: Gilmours 16-jähriger Sohn Jesse mag nicht mehr zur Schule gehen, hat die Lernerei einfach satt, hält das Vokabelpauken nicht mehr aus. Sicherlich nicht ohne Bauchschmerzen bietet sein Vater ihm folgenden Deal an: Jesse muss nicht mehr zur Schule gehen, hat freie Kost und Logis, und muss lediglich drei Filme in der Woche zusammen mit dem Vater anschauen. So beginnt für beide eine aufregende Zeit. In einem Alter, wo Väter und Söhne sich normalerweise auseinanderleben, verbringen Jesse und David viel freie Zeit zusammen, und diskutieren über Truffaut, Marlon Brando, Tarantino oder die Coolness von Gary Cooper in „High Noon“.
Aber das Leben geht weier, irgendwann sucht Jesse ich einen Job, dann versucht er sich als Rapper, die Filmabende mit den DVDs im Wohnzimmer werden seltener. Außerdem erfordern diverse Liebschaften Jesses und auch Davids ganze Aufmerksamkeit.
Dabei erweist sich David Gilmour als super-verständnisvoller Vater, und das kann auf die Dauer auch nerven. Das Buch hat zum End hin einige Längen, aber einen Besuch in diem „Film Club“ sollte man auf jeden Fall einplanen.

Im Kino: „Louise Hires a Contract Killer“

Dienstag, 6. Oktober 2009 von Mr. Cinema

An die Nachrichten-Bilder von aufgebrachten Arbeitern, die ihre Chefs kidnappen und den Maschinenpark in Brand setzen , haben wir uns ja inzwischen gewöhnt. Vor allem aus Frankreich wurden diese proto-revolutionären Umtriebe gemeldet.
In ihrer herrlich schrägen, bitterbösen Farce gehen Benoit Deleopine und Gustave Kervern beherzt noch einen Schritt weiter. Die geschassten Arbeiterinnen einer belgischen Textilfabrik schmeißen ihr bisschen Abfindung zusammen und heuern einen Auftragskiller an, der ihren Chef ermorden soll.
Auf diese glorreiche Idee kommt Louise (Yolande Moreau), die den reichlich unbedarften Michel (Bouli Lanners) engagiert. Der kann zwar keiner Fliege etwas zuleide tun, aber mit schöner Beharrlichkeit schafft es das skurrile Duo dennoch, eine Spur der Verwüstung nach sich zu ziehen.
Nur die eigentlich Schuldigen, die Finanzjongleure, sind einfach nicht zu packen, nicht in Brüssel und auch nicht im Steuerparadies Jersey, das Louise und Michel mit einem Flüchtlingsboot erreichen.
„Louise hires a Contract Killer“ ist eine lakonische Attacke auf den Turbokapitalismus, eine Art tragikomisches Gegenstück zur globalisierungskritischen Dokumentation „Let’s Make Money“. Unbedingt sehenswert.
Läuft ab 8. Oktober in Hamburg im 3001.

Showdown mit Louise

Der Strand der Dinge

Mittwoch, 30. September 2009 von Mr. Cinema

Gegen die unvermeidlich heranrückenden, schwarz-gelb-gefärbten Herbstdepressionen und Unwetter ein paar Lichtblicke vom Sommer, so sah es im Juni an der ligurischen Küste aus.

Der Strand der Dinge

Klosterbucht

Bucht bei Portofino

Camogli

Im Hafen

Römische Brücke

Tellaro

Im Kino: „Die Strände von Agnès

Donnerstag, 10. September 2009 von Mr. Cinema

Auf der Seine
Ein wunderbarer Film, den so nur die große Regisseurin und Dokumentarfilmerin Agnès Varda („Vogelfrei“) machen konnte. Da steht die mittlerweile über 80-jährige Frau am Strand, baut Spiegel und Rahmen auf, beobachtet Kinder und Surfer, steckt ihre Familienbilder in den Dünensand und beginnt sich zu erinnern: so als würden Wind und Wellen sie dazu bringen, in ihre Vergangenheit abzutauchen.
So ist eine hinreißende biografische Collage enstanden, mit Varda als Fremdenführerin durch die Landschaften ihres Lebens.
Meine Besprechung für dpa